GØRL (AT)

4. Mai 2021
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Wenn sich ein 12-jähriges Mädel Socken in die Hose stopft, um sich als männlicher Rocksänger in die Schulband einzuschmuggeln, dann zeugt das schon von einer gewissen Entschlossenheit. Es zeigt aber auch, dass Mikala Nørgaard schon in jungen Jahren männliche Rockklischees lustvoll zelebriert und demontiert hat – auch, wenn dadurch die im Teenageralter nicht unwichtige romantische Reputation flöten ging. 1,85 Meter groß und Socken in den Leggings? Da ergreifen die meisten toughen Jungs die Flucht, wie Mikala bald erkennen musste.

Jetzt, doch schon einige Jährchen später, steht Mikalas Projekt GØRL immer noch für das Spiel mit Klischees: Für ihr erstes Album sammelte die Sängerin, Gitarristin und Songwriterin einen wilden Haufen theatralischer Tracks und psychedelischer Melodien zusammen. Ihre Stimme wird immer wieder als die eines Mannes verkannt, was kein Wunder ist: Ihre Vorbilder sind zu einem großen Teil männlich. Dazu kommt noch ein Schuss Wikinger-Humor, der offenbar im Blut der gebürtigen Dänin liegen dürfte. Ihr ständiger Begleiter ist folgerichtig ein Bierhorn, denn wie alle richtigen Wikinger liebt sie das Gesöff wie kein anderes.

Und zu allem Überfluss heißt ihre Band auch noch GØRL. Weniger Girlie-Style könnte sie gar nicht sein, und schwer zu schreiben ist der Bandname dank des dänischen Buchstabens auch noch. Ach ja, Schiffe und Meer liebt Mikala naturgemäß auch, und so hat mit Sailor Song ein wunderbar versoffenes Seemanns/Seefrauen-Duett feat. Sir Tralala auf das Album gefunden. Auf Acid Island gibt sie wiederum die böse Flugbegleiterin; in Circus Town hingegen schlüpft sie in die Rolle eines dänischen Hippie-Bikers, der mit der Wucht des Rock’n’Roll nicht mehr mithalten kann und nach Hause will.

Ihre musikalische Inspiration zieht sie aus ein paar Jahrzehnten Rock- und Popmusik; viele ihrer von frühester Jugend an heiß geliebten Idole sind längst in Valhalla, oder wie das eben bei den Wikingern heißt. In GØRL lebt viel von den Zeiten des Glam Rock und Psychedelic Rock weiter – vielleicht mit vertauschten Rollen und anders zusammengesetzt, als von den Urahnen ursprünglich gedacht. Mit diesen Songs im Gepäck und ihrem Bierhorn kann sich GØRL jedenfalls getrost auf die Überfahrt zu in vielerlei Hinsicht neuen Ufern machen.

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